Restaurierung Retro Computer Commodore PET 2001 von 1978 - Teil 1
Von Denis

Einleitung #
Aufgewachsen mit dem Commodore C64 und später Commodore Amiga 500, kurz nach dem Fall der Mauer, machte mich wohl schon in der Jugendzeit zu einem Commodore Fan. Ohne Internet und fehlender Lektüre Anfang der 90er Jahre hatte ich aber noch keine Ahnung von der langen Commodore Geschichte und noch weniger von dem ersten Commodore Heimcomputer, namens PET 2001 bzw. CBM 2001.
Diese Wissenslücke schloss später der „8-Bit Guy", ein bekannter Youtuber, der mich mit Retro Computer Restaurierungsvideos in seinen Bann zog. Was für ein fantastisches Gehäuse Design. Retro und futuristisch zugleich! Es war schnell klar, dass ich den PET unbedingt daheim haben wollte. Hergestellt aus dicken Metallblech und mit integrierter Bildröhre macht den Boliden natürlich exorbitant schwer und somit sind nur die wenigsten Verkäufer daran interessiert, diesen Exoten per Paket zu verschicken.
Auf der Suche nach dem PET #
Zu seinen Lebzeiten (1977- 1986) war der PET2001 (steht nicht für ein Haustier, sondern für „Personal Electronic Transactor") hauptsächlich in der westlichen Welt erhältlich und damit für DDR-Bürger schwer bis gar nicht zu bekommen. Von daher war das Angebot hier in Sachsen auch sehr dürftig, als ich im Frühjahr 2019 das erste Mal einen guten Gebrauchten suchte. Mir war egal ob funktionstüchtig oder nicht. Wie schwer kann es schon sein, so eine einfache Maschine zu reparieren? Ich hatte keine Ahnung…
Ich fand damals genau ein Angebot bei Ebay Kleinanzeigen in meinem Umkreis. Für schlappe 300€ und Zustand unbekannt. Die Fotos zeigten zumindest den Bildschirm mit viel Kauderwelsch drauf, in Fan Kreisen wird der Zustand liebevoll „Garbage (Müll) Screen" genannt. Hmm. Viel Geld für so ein Chaos. Ich merkte mir das Angebot zumindest vor.
Im September fiel der Preis dann auf 200€ und ich wurde schwach. Ich fuhr auf den Bauernhof der Verkäuferin, ungefähr eine halbe Stunde entfernt von meiner Heimatstadt Dresden und war ganz aufgeregt den Klassiker das erste Mal persönlich zu sehen. Es war der ziemlich verbastelte Computer von dem verstorbenen Großvater. Ich glaube, der gute Mann hieß Jürgen, wie mir Monate später der modifizierte Inhalt des eingebauten Option ROMs verriet.
Der Zustand war katastrophal. Dreckig, rostig, vor allem innen und überall jede Menge Hinterlassenschaften von Mäusen und anderem Getier. In den 90ern hätten wir die Kiste hochkant auf den Müll geschmissen, aber Jürgen hing offensichtlich an seinem Computer. Warum ich so einfach in das Innere hineinsehen konnte? Nun, Commodore hatte das PET-Gehäuse wie bei einem PKW designt. Man kann einfach den Monitor mit Oberteil hochklappen, abstützen und dann drinnen ganz bequem an der Platine arbeiten. Großartig. Ich fragte die Enkelin von Jürgen, ob wir den Oldtimer mal an die Steckdose stecken könnten. Das taten wir dann auch und…… nix passierte. Kein Geräusch, kein Flackern am Bildschirm. Mausetot!


Erste Schritte der Restaurierung #
Die Verkäuferin lockte mich nun mit einem Schnäppchen Preis und ich dachte, why not? Kann doch nicht so schwer sein, so eine alte Kiste zu reparieren? Haha. Ich nahm den PET mit. Jetzt war er meiner!
Es dauerte bis Dezember 2019, bis ich mal Zeit für meinen neuen Retro Computer fand. Ich machte erst mal viele Fotos, las viel im Internet und machte mich überhaupt erst mal schlau, was ich hier vor mir hatte. Ich verstand bald, dass Jürgen ganz viel Modifikationen an seinem Computer durchführte, inklusive der Nachrüstung einer Art Grafik Karte (mit dem Motorola MC6845P), um den PET wohl für 80 Zeichen pro Zeile fit zu machen, was damals für Büroanwendungen wichtig war. Zum Beispiel für Visicalc, das erste kommerziell vertriebene Programm für Tabellenkalkulation, was für viele Unternehmen der Grund Nummer 1 war, sich überhaupt so einen neumodischen Personal Computer anzuschaffen. Das machte im Übrigen den Apple-2 Computer erst so richtig erfolgreich. Für den wurde Visicalc ursprünglich programmiert. Aber ich schweife ab….
Mein PET hatte auch mehrere ROM´s übereinander gestapelt, und man konnte wohl mittels Drehschalter an der Front verschiedene Rom Sets aktivieren, z.B. für BASIC 2.0 oder Basic 4.0

Ich stand vor einer Entscheidung. Restauriere ich den PET inklusive der ganzen Modifikationen oder rüste ich ihn zurück zu seiner ursprünglichen Ausstattung?
Da ich mit dem PET sicher nicht auf Arbeit meine Tabellenkalkulationen machen mochte, entschied ich mich für das Original mit einer Abweichung. Mein Modell war augenscheinlich eine Version mit 16kb RAM. Um Kosten zu sparen, hatte Commodore damals für alle Versionen dieselbe Hauptplatine gebaut und dann einfach Löcher in die Platine gebohrt, genau dort wo beim 32kb Modell die Chips eingelötet sind. Quasi die Leiterbahnen zerstört. Unglaublich. Jürgen war das egal. Er zog feine Drähte, stellte die Verbindungen wieder her und lötete die nötigen DRAM-Chips ein und machte somit aus dem 16k Modell ein 32k Top Modell. Gut gemacht! Bei den 32k wollte ich es belassen.

Zunächst einmal entfernte ich alle Modifikationen und zerlegte den PET in alle Einzelteile. Den Monitor baute ich vom Grundgehäuse ab und reinigte ihn ordentlich von außen. Ich hatte noch gute Hoffnung, dass der Monitor prinzipiell geht, hatte ich doch den Garbled Screen auf dem Kleinanzeigen Foto gesehen…
Reinigung und erste Tests #
Die Platine steckte ich einfach in den Geschirrspüler bei 50°C und reinigte zudem das Grundgehäuse und Tastatur ausgiebig. Heraus kam ein Computer, den man nun gern mal anfasste!


Und die Mühe lohnte sich. Als ich alles wieder zusammenbaute, steckte ich mit großer Aufregung den Stecker in die Steckdose und schaltete an. Der Monitor gab ein Geräusch ab und erwachte zum Leben. Heureka!


Mit meinem Multimeter konnte ich am Trafo Ausgang 17,36 Wechselspannung (VAC) messen und auf dem Board jeweils +5,00 VDC / -5,42 VDC / +11,90 VDC Gleichspannung. Mittlerweile etwas geschult durch die „8-Bit Guy" Videos stellten mich die Ergebnisse zufrieden. Der Bildschirm zeigte den „Garbage Screen". Großartig. Einfach, so eine alte Kiste zu reparieren, oder?
Nicht ganz. Mittlerweile weiß ich, diese Bildschirmanzeige kann alles Mögliche bedeuten. Man kann schwer auf Anhieb sagen, was alles kaputt ist. Um vorwegzugreifen – ziemlich viel auf dem Board hatte einen Treffer weg. Aber der Reihe nach.
Zumindest schien der Bildschirm intakt zu sein. Also machte ich mir erst mal ne Flasche Bier auf und feierte das kristallklare Bild. Das war Dezember 2019.
ROM- und Speicher-Tests #
Mangels besseren Wissens und mit Hilfe diverser ausländischer Retro Computer Internet Reparatur Blogs, zum Beispiel hier: http://www.dasarodesigns.com/projects/troubleshooting-common-problems-with-the-commodore-pet-2001/
….testete ich erst mal die ROMs. Ich stellte fest, alle ROM´s waren ausschließlich EPROMs vom Typ 2716 oder 2732, also keine originalen Commodore ROMs vom Typ 2316 bzw. 2332. Der 2716 ist pin-kompatibel mit dem 2316, aber nicht der 2732. Dafür hatte Jürgen Adapter Sockel verbaut, wie ich herausfand. Besser, man hat die selteneren 2532 EPROMs, diese sind zum 2332 auch pin-kompatibel. Also brauchte ich erst Mal ein EPROM Programmiergerät und ein paar EPROMS, falls die eingebauten defekt waren. Ich besorgte mir alles und prüfte mit dem Programmierer die Software. Die Original-Software konnte ich von https://zimmers.net/ herunterladen. Hier muss man genau aufpassen, welches PET-Modell, welche Art Tastatur (Business Tastatur oder normale?) man hat und welche BASIC Version man laden möchte. Beim Programmiergerät muss man noch darauf achten, dass es die hohe Programmierspannung von 25VDC für die 2532er bzw. 2732er EPROMs liefern kann.
Die ausgelesene Software auf den EPROM Chips schien erst mal so weit zu passen. Gut. Vielleicht hatte der DRAM-Arbeitsspeicher (Typ 4116) oder SRAM-Grafikspeicher (2114) ein Problem? Der Arbeitsspeicher war gesockelt, den konnte ich also einfach mal durchtauschen. Das half mir leider nicht weiter. Der PET-Bildschirm zeigte stur immer dasselbe Kauderwelsch.
Im Internet fand ich den Tipp, dass die Commodore Sockel von ganz mieser Qualität verbaut hat und diese oft die Ursache für Kontaktschwierigkeiten sind. Ich konnte mir das gut vorstellen bei dem schlechten Zustand meines Boliden. Mit dem Multimeter klingelte ich alle Adressleitungen der 16 Speicher Chips durch. Die hängen allesamt am selben Bus und sollten somit untereinander Kontakt haben. Ebenso, die +5VDC, -5VDC, +12VDC und Masseversorgungspins. Außerdem prüfte ich den Datenbus und weitere angeschlossene Leitungen auf gute Verbindung. Geholfen hat mir dabei der Schaltplan von https://zimmers.net/
Fehlersuche und Probleme #
Auf diesem Wege fand ich 7(!) defekte Sockel. Wow, das muss der Fehler sein, dachte ich. Beim Auslöten erlebte ich das eine oder andere Massaker. Leiterbahnen lösten sich reihenweise. Nun ja, mir fehlte damals noch die Erfahrung und besseres Equipment. Zumal das alte Commodore Board nicht wirklich einen Schutzlayer besitzt. Außerdem fand ich auch noch jede Menge Mäuse Dreck trotz der Spülmaschinenaktion.

Also musste ich noch jede Menge Drähtchen verlöten, um die defekten Leiterbahnen zu ersetzen. Voller Hoffnung schaltete ich nach der ganzen Reparatur Aktion den PET an. Keine Verbesserung! Immer noch derselbe Müll Screen. Mist.
Grafikspeicher und CPU #
Also ran an den Grafikspeicher (UF7 und UF8). Dieser musste zunächst ausgelötet und gesockelt werden. Das ging gut von Hand, brachte aber auch keinen Erfolg, als ich den originalen gegen andere Chips tauschte. Zumindest konnte ich eine Änderung am Bildschirm beobachten, wenn ich einen bzw. beide Sockel leer ließ. Das ist schon mal was!

Als nächstes verdächtigte ich die MOS 6502 CPU. Ich hatte ja noch einen Apple-2 mit demselben Prozessor zum Testen. Mühevoll quälte ich den alten Chip aus seiner Fassung. Oh, der sah gar nicht gut aus! Rostige Beinchen, und zwei brachen gleich mal ab.

Ich reinigte den alten Chip und lötete mühevoll neue Beinchen an. Ich wollte sehen, ob noch Leben im 6502 steckte. Natürlich nicht! Eingesteckt in meinem Apple-2 bekam ich nur Fragezeichen auf dem Bildschirm. Der Chip war definitiv kaputt. Das muss es sein, deswegen kann mein PET ja nicht laufen! Ein neuer 6502 und der PET wird bestimmt wieder funktionieren, dachte ich mir. Natürlich nicht!
Derselbe Sch**** auf dem Bildschirm. Keine Änderung, nix!
Fortsetzung folgt... #
Nach monatelanger Fehlersuche war ich am Ende meines Lateins angelangt. Doch die Geschichte sollte noch weitergehen - mit Hilfe aus der internationalen Retro-Computer-Community und professionellem Testequipment.
→ Teil 2: Hilfe aus der Community und professionelle Fehlersuche
Vielen Dank an Vereinsmitglied Denis für die ausführliche Dokumentation!