Amiga 500 New Art Limited Edition
Der Amiga 500 war Ende der 1980er Jahre in vielen Arbeits- und Kinderzimmern ein fester Bestandteil. Nicht umsonst ist der A500 mit über einer Million Geräten der meistverkaufte Amiga-Computer von Commodore. Er wurde 1987 auf der CeBit vorgestellt und mit einem Preis von etwas mehr als 1.000 D-Mark Heimcomputer-Interessierten schmackhaft gemacht. Spiele wie Turrican II: The Final Fight, Maniac Mansion, Lotus Turbo Challenge 2 oder Defender of the Crown ratterten durch die Diskettenlaufwerke und wurden mit Arbeitskollegen in der Firma oder Klassenkameraden auf dem Schulhof getauscht. Natürlich waren das immer nur die Sicherheitskopien vom vorhandenen Original, welches wohlbehütet zu Hause lag.
Technische Basis des Amiga 500 #
Der Amiga 500 besitzt standardgemäß eine Motorola 68000-CPU und 512 KByte Arbeitsspeicher. In der Anfangszeit wurde er mit dem AmigaOS 1.2 Kickstart verkauft. Ab 1988 war er dann mit einem verbesserten AmigaOS und Kickstart 1.3 im Handel erhältlich. Die Farbe des Amiga-Case, auch Oberschale genannt, war von Beginn an ein typisches Beige – zumindest bis Commodore ab November 1989 auf die Idee kam, zwei poppige, flippige bzw. verrückte Designs als limitierte Version zu vertreiben. Die Limitierung belief sich auf insgesamt 10.000 Stück. Einige Quellen behaupten, diese nur für den deutschen Markt produzierte New Art Collection sei zum Urahn aller Case-Moddings geworden.

Marketing für die Jugend #
Diese spezielle Sonderlackierung des Amiga 500 sollte die jüngere Zielgruppe, insbesondere im Weihnachtsgeschäft, ansprechen. Das zeigen auch die Werbeanzeigen in der Jugendzeitschrift BRAVO Ende 1989. Diese Anzeigen gab es in zwei verschiedenen Textversionen auf einer vollen Seite. Die BRAVO hatte damals eine Auflage von ca. 1,8 Millionen Exemplaren pro Woche. Heute, im Zeitalter der sozialen Netzwerke, liegt die Auflage bei ca. 46.000 Exemplaren. Vermutlich wurden die Werbeanzeigen auch in anderen Zeitschriften gedruckt, von der zumindest das Amiga Magazin bekannt ist.

Die erste Textversion: „Starke Farben und flippiges Design. Der absolute Hit. Für Leute, die immer wissen wo's langgeht." richtete sich eher an Jugendliche als potentielle Käufer. Die zweite Textversion: „Es war schon immer etwas spannender, Lifestyle zu zeigen statt stillos zu leben. Nichts für Konformisten oder Mitläufer, der neue Amiga 500. Funktionalität verbunden mit Zeitgeist" richtete sich eher an die erwachsene Kundschaft.
Stefanie Tücking und das Design #
Um dieses neue Design für die Jugend noch attraktiver zu machen, konnte die Fernseh- und Hörfunkmoderatorin der damals beliebten ARD-Musikfernsehsendung Formel Eins, Stefanie Tücking, überzeugt werden, ihre Unterschrift auf dem Amiga-Case zur Verfügung zu stellen. Beide Modelle tragen somit ihre Unterschrift und die Auflagen wurden zusätzlich beworben mit „Designed by Stefanie Tücking". Angeblich soll sie für ihre Unterschrift 2.000 Mark erhalten haben. Sicher ist das natürlich nicht und leider kann sie dazu auch nicht mehr befragt werden, da Stefanie Tücking 2018 verstarb.
Ball-Design und Leopard-Design #
Im Laufe der Zeit ging der Begriff „New Art" in Verbindung mit den beiden Modellen verloren. Heute bezeichnet man diese als Ball-Design und Leopard-Design. Obwohl Leopard an dieser Stelle nicht korrekt ist, denn neben den bunten Schnipselstreifen ist das Muster eher einem Tiger zuzuordnen. Egal ob Leopard, Tiger oder bunte Bälle – beide Modelle sind mittlerweile nur zu hohen Sammlerpreisen zu bekommen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten, aber es fällt zumindest auf, dass das Leopard-Design seltener als das Ball-Design auf diversen Plattformen zum Kauf angeboten wird.
Vorsicht vor Fälschungen #
Obacht ist geboten vor Fälschungen. Mittlerweile gibt es Replik Sticker-Sets, die auf einen beigen Amiga 500 geklebt werden können. Der geneigte Amiganer weiß natürlich, dass die Originalauflagen der beiden Designs lackiert und nicht beklebt sind. Wer schon immer einmal im Besitz eines solchen Modells sein wollte, aber nicht bereit war, so viel Geld auf den Tisch zu legen, für den gibt es auch eine tolle Bastelvorlage aus Pappe im Internet zu finden. Für die meisten Fans ist das Leopard-Design am schlechtesten gealtert. Aber wer weiß, wie die Sache in zehn Jahren aussieht. Weiterhin gab es für die New Art Edition Werbesticker und eine gesonderte Verpackung des Amiga 500.
Wo du die New Art Edition erleben kannst #
Seitdem ich in der Corona-Pandemie meine Leidenschaft für Commodore wiederentdeckt habe, bin ich stolzer Besitzer beider New Art Modelle. Diese finden auch regelmäßig den Weg in Retro-Ausstellungen, wo die Besucher die Geräte nach Herzenslust bespielen dürfen. So auch jährlich beim Flashback Symposium in Plauen und der Langen Nacht der Computerspiele in Leipzig, an denen ich als Mitglied von Amiga-Dresden und Retro Computer Dresden als Aussteller teilnehme.
Du kannst diese und andere Modelle auch im Vereinshaus des Retro Computer Dresden oder im Flashback Heimcomputermuseum in Jößnitz bei Plauen bestaunen und ausprobieren. Neugierig geworden? Dann komm gern vorbei – wir freuen uns auf dich!


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