Meine eigene SGI Workstation

SGI Indigo Artikelreihe: Teil 1 Teil 2 Teil 3

SGI Indigo

Hollywood und die SGI #

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Jugendlicher mit meinem Vereinskollegen Jörg darüber stritt, ob Lieutenant Dan in Forrest Gump bzw. der Schauspieler Gary Sinise tatsächlich keine Beine hatte. Jörg behauptete, er hätte in anderen Filmen sehr wohl Beine – ich konnte das damals einfach nicht glauben. Die Wahrheit ist: Die Effekt-Schmiede Industrial Light & Magic (ILM) hatte auch hier ihre Finger im Spiel und entfernte die Beine digital durch CGI-Effekte.

Die beeindruckendsten Filme der 90er Jahre – egal ob Jurassic Park, Toy Story, Starship Troopers oder Independence Day – wurden üblicherweise auf Silicon Graphics Computern modelliert und berechnet.


Von der Resterampe in den Flur #

Vor Jahren fand eine SGI Workstation den Weg von der „Resterampe“ der Telekom zu mir. Für mich war das damals erst einmal nur irgendein Server, auf dem ich prompt Apache 1.3 und PHP 3.0 installierte, um meine ersten dynamischen Webseiten zu bauen. Der „Server“ stand in meinem Flur, und der ohrenbetäubende Lärm der Kühlung störte mich kaum. Schließlich war es verdammt cool, meinen Kommilitonen zu zeigen, dass ich meine Hausarbeiten auf einer echten SGI entwickelte.

Irgendwann verlegte ich meinen Dev-Stack dann doch auf Windows. Seitdem war die SGI eines dieser Systeme, die man nur noch über die Weihnachtszeit einmal anschaltet, sich freut, dass sie noch startet, und sie dann wieder wegpackt. Der zugehörige 35 kg schwere Monitor im Keller hat auch nicht gerade dazu beigetragen, das System öfter anzuschließen.

Ein später Gamechanger war dann tatsächlich ein schnöder Videoadapter, durch den ich das System im Verein an handelsüblichen Monitoren betreiben kann. Klar, der „SGI-Goldstaub“ einer perfekt kalibrierten Trinitron-Röhre fehlt, aber am Ende ist es einfach ungemein praktisch.

13w3 auf VGA Adapter

Design-Ikone in Indigo #

Man darf bei der ganzen Technik eines nicht vergessen: den Style. In einer Ära, in der unsere Computer entweder beige, grau oder – wenn es hochkam – schwarz waren, war die SGI Indigo ein echter Exot. Das tiefe Lila, das markante, fast schon futuristische Gehäuse-Design und die hochwertige Verarbeitung machten sie weltweit zum Statussymbol in den Studios.

Auch heute zieht die „lila Kiste“ im Verein sofort alle Blicke auf sich. Sie ist das perfekte Beispiel dafür, dass Workstations in den 90ern nicht nur Rechenmonster, sondern echte Design-Statements waren. Sie sind optisch deutlich besser gealtert als jeder Standard-PC jener Zeit.
Zoom auf Iris Indigo Logo

Ein Auto auf dem Schreibtisch #

Zur Einordnung: Eine SGI Indigo war 1991 kein Gerät, das man sich mal eben im Elektromarkt um die Ecke kaufte. Je nach Ausstattung kostete so ein System so viel wie ein gut ausgestatteter Mittelklassewagen. Ein System, wie wir es im Verein haben, schlug damals mit etwa 100.000 DM zu Buche.

Diese Wertigkeit spürt man bis heute an jedem Detail – von den massiven Gehäuseteilen bis hin zur internen Modulbauweise. Wenn man heute an der Indigo Platinen wechselt, fühlt man sich wie Chefingenieur Geordi La Forge, der Module zum Kalibrieren aus dem Kontrollpult zieht: Bei SGI wird nicht mühselig geschraubt; man zieht die Module mit wenigen Klicks einfach aus dem Gehäuse.
SGI Indigo Module


Fortsetzung folgt... #

Teil 2: SGI Tech Specs – Was steckt in der Indigo?


Vielen Dank an Vereinsmitglied Alex für die ausführliche Dokumentation!